Im Zuge des Projektes „Mütter in Aktion“ (MiA) in Leibnitz haben wir die Doula Natascha Schatzl kennengelernt. Wir haben dem Tätigkeitsfeld der Doula großes Interesse entgegengebracht und uns näher informiert. Was macht eine Doula ? Wie wird man Doula ? Wie komme ich zu einer Doula ?
Was gibt es Spannenderes im Leben einer Frau als die Zeit rund um die Schwangerschaft und Geburt ihres Kindes ? In der Großfamilie von früher war es selbstverständlich, sich unter den Müttern und Großmüttern zu diesem Thema auszutauschen, Erfahrungen wurden in der Familie weitergegeben und die Frauen hatten Unterstützung und Begleitung vor, während und nach der Geburt.
Durch die gesellschaftliche Wendung zur Kleinfamilie stehen werdende Mütter heutzutage oft alleine vor dieser neuen und einschneidenden Situation. Im Zeitalter der Klein- und Kleinstfamilie hat diese Zeit rund um die Mutterschaft eine ganz neue Bedeutung bekommen. Wir bekommen weit weniger Kinder als noch vor wenigen Jahrzehnten und leben oft weit weg von unseren Stammfamilien. Die Doula-Begleitung nimmt die alte Tradition auf, bei der die gebärende Frau zusätzlich zur Hebamme von einer ihr vertrauten, geburtserfahrenen Frau begleitet wird.
Der Begriff „Doula“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Dienerin der Frau“.
Die Doula hat die Aufgabe, einer schwangeren, gebärenden Frau und ihrem Partner zur Seite zu stehen. Ihnen sind Doulas natürlich eine ganz besondere Stütze rund um die Geburt. Sie nimmt allerdings weder Untersuchungen vor, noch gibt sie medizinische Ratschläge, sie kann nur an die entsprechenden Stellen verweisen, wenn ein Problem ihren Zuständigkeitsbereich überschreitet.
Schon lange vor der Geburt steht die Doula im Idealfall in engem Kontakt mit der werdenden Mutter bzw. den werdenden Eltern. Je nach Wunsch begleitet sie die Mutter zu Kontrollterminen, spricht mit ihr über ihre Erwartungen oder Befürchtungen bezüglich der bevorstehenden Geburt. Je besser die Beziehung schon vor der Geburt ist, desto einfühlsamer kann die Doula während der Geburt die Eltern unterstützen. Mit ihrer Erfahrung stützt sie während der Geburt die Gebärende und den Partner emotional und hilft den Eltern, mit der Situation zurechtzukommen. Sie wird versuchen, sich in die Situation hineinzuversetzen und den Eltern eine helfende Hand zu sein. Während der Geburt wird sie je nach Bedarf die Frau umsorgen, ihr Mut zusprechen, ihren Rücken massieren oder mit ihr gemeinsam atmen. Auf jeden Fall stützt sie die Frau durch ihre zuverlässige Anwesenheit. Sie entlastet den Partner und hilft auch ihm, mit der Situation zurechtzukommen.
Gerade vom werdenden Vater wird oft viel verlangt. Die Erwartungshaltung, wie er mit seiner schwangeren Frau umgehen soll, ist meistens sehr hoch. Dadurch stehen viele Väter unter einem enormen Druck. Oft wird aber vergessen, dass das Thema Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett auch für den Mann emotionales Neuland ist und er auch nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Meistens sind auch die Väter einfach überwältigt von der neuen Situation und somit unsicher im Umgang damit. Die Doula kann in dieser Lage auch unterstützend und verständnisvoll dem Vater unter die Arme greifen und dadurch etwas Druck von ihm nehmen.
Im Wochenbett berät die Doula sowohl in Stillfragen, bei der Babypflege aber auch in der Betreuung der Geschwisterkinder ist die Doula eine wichtige Stütze in dieser so wichtigen und emotionalen Zeit nach der Geburt. Meistens finden auch noch ein oder mehrere Gespräche über das Geburtserlebnis statt, das mit der Doula eingehend reflektiert werden kann.
Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Art der Begleitung einen positiven Einfluss auf das Geburtsgeschehen hat und wesentlich positiver sowohl von der Mutter als auch vom Vater erlebt wird. Es wurde nachgewiesen, dass die Anzahl der Kaiserschnittgeburten und Zangengeburten geringer ist, wenn eine Doula anwesend ist und dass wesentlich weniger Wehen- und Schmerzmittel oder PDAs gebraucht werden. Diese Tatsache wird damit begründet, dass durch die verlässliche Anwesenheit der Doula das grundlegende Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit gedeckt ist und die gebärende Frau sich wesentlich besser entspannen kann.
In Österreich ist die Berufsgruppe der Doula noch nicht sehr bekannt, es wird aber zurzeit viel Pionierarbeit auf diesem Gebiet geleistet. Vorraussetzung, als Doula arbeiten zu können, ist, selbst geboren zu haben und eine dementsprechende Ausbildung genossen zu haben, in der sie sich ein fundiertes Wissen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett angeeignet hat. Nur eine Frau, die schon selbst Kinder zur Welt gebracht hat, kann sich gut in die Situation einer Gebärenden hineinversetzen und ihr in allen Dingen rund um die Geburt mit viel Einfühlungsvermögen zur Seite stehen. Allerdings ersetzt die Doula keineswegs die Hebamme oder einen Arzt, sie darf in keinem Fall alleine eine Geburt durchführen. Begleitet werden kann eine Frau sowohl zu Hause, im Geburtshaus, im Sanatorium oder im Krankenhaus. Mit vielen Krankenhäusern gibt es schon Kooperationen, oft ist leider nur eine Begleitperson erlaubt.
Auch in speziellen Situationen - wenn z.B. ein Baby mit Behinderung erwartet wird, ein Baby nicht lebensfähig ist, die Frau eine Begleitung zu Hause nach einer Frühgeburt oder Betreuung nach einer Todgeburt benötigt – kann eine Doula eine gute Unterstützung sein. Ein wichtiges Augenmerk der Doulas liegt auch auf allein stehenden Müttern.
Es gibt keine einheitlichen Tarife, die Kosten müssen individuell mit der Doula abgestimmt werden. Es ist aber durchaus üblich, einkommensschwachen Frauen einen Nachlass zu gewähren, damit alle Frauen die Begleitung bekommen, die sie benötigen.
Wie komme ich zu einer Doula ? Unter http://www.doula.at findet man eine Liste von Doulas für jedes Bundesland, die die Ausbildung der DiA (Doulas in Austria) gemacht haben und nach dem strengen Ethikcode der DiA arbeiten. Auch die Eltern-Kind-Zentren vermitteln Doulas.
Im Bezirk Leibnitz können sie auch bei Interesse Frau Schatzl unter der Telefonnummer 0650 / 86 55 995 oder unter schatzl@gmx.net direkt kontaktieren.